Panzerpionierkompanie 70 - Pioniere der Unterelbe e.V.

Pioniere der Unterelbe e.V.
Traditionsverein der ehemaligen Stader und Hamburg-Harburger Pioniereinheiten
Pionierbrücke
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Panzerpionierkompanie 70

Verbände & Einheiten
Panzerpionierkompanie 70      (1959 - 1993)

Das Kompaniewappen wird im oberen Teil durch eine stilisierte Brücke bestimmt, die durch einen eingelassenen Keil mit dem taktischen Zeichen der Kompanie in einer stabilen Lage gehalten wird. Diese Darstellung symbolisiert den Auftrag der Kompanie, einerseits die Bewegungen der Kampftruppen der Panzergrenadierbrigade 7 zu fördern und andererseits durch die Zerstörung von Übergängen die Bewegungen des Feindes zu hemmen.
Der untere Teil zeigt einen schräg geteilten Wappenschild. Links oben enthält er mit den gekreuzten weißen Pferdeköpfen auf rotem Grund das Verbandsabzeichen der 3. Panzerdivision. Rechts unten zeigt er mit dem silbernem Schlüssel auf blauem Grund das Wappen der Garnisonstadt Stade.
Die spätere Panzerpionierkompanie 70 entstand am 01. Juli 1956 als 3./Kompanie des damaligen Pionierbataillon 1 in Hamburg-Harburg. Bei dessen Übernahme aus dem Bundesgrenzschutz. im Jahre 1957 wurde sie in 3.Kompanie/Panzerpionierbataillon 3 umbenannt, ohne dass sich ihre Ausstattung änderte. Im Zuge der Umgliederung des Heeres auf die u.a. in den Kriegserfahrungen der Wehrmacht begründete Divisionsgliederung 59 wurde sie am 01. März 1959 zur Panzerpionierkompanie 70; blieb jedoch – obwohl nun eine selbständige Kompanie - noch dem Pionierbataillon 3 unterstellt. Auch gepanzerte Fahrzeuge wurden ihr zunächst noch nicht zugeführt. Bis Ende 1961 hatte die Kompanie den Auftrag, als Grundausbildungskompanie Rekruten für das Pionierbataillon 3 auszubilden.

Am 04. Januar 1962 verlegte die Panzerpionierkompanie 70 als eine der beiden ersten Heereseinheiten (neben der erst teilaufgestellten ABC-Abwehrkompanie 3) nach Stade. Dort bezog sie die im Westteil der ehem. Fliegerhorst-Kaserne verfügbar gewordenen Unterkünfte. Jetzt wurde sie auch endgültig der Panzerbrigade 7 in Hamburg-Fischbek unterstellt. Ihr Auftrag war nun, die Kampftruppen der Brigade im Gefecht unmittelbar pioniertechnisch zu unterstützen. Dazu erhielt sie im Laufe des Jahres 1962 auch ihre gepanzerten Kettenfahrzeuge (Mannschaftstransportwagen M 113, Brückenlegepanzer M 48 und Pionierpanzer M 48).

Die Kompanie gliederte sich seitdem in die Kompanieführungsgruppe, drei Panzerpionierzüge, den Panzerbrückenzug mit vier Panzerschnellbrücken, einen Pioniermaschinen- und Kampfmittelzug mit zwei Pionierpanzern, einer Maschinengruppe u.a. mit leichten Übersetzmitteln (Sturm- und Schlauchboote) und drei Pionierkampfmitteltrupps sowie eine Nachschubgruppe mit Teileinheiten für Versorgung mit Verpflegung und Betriebsstoff, Instandsetzung und Sanitätsdienst. In dieser Kompanie dienten zunächst etwa 180 Soldaten.

Bereits im Mai 1968 wurde eine Patenschaft mit der Gemeinde Heeslingen (am Oberlauf der Oste nordostwärts Zeven) begründet und durch viele gemeinsame Veranstaltungen immer wieder vertieft.
Nachdem schon 1969 der US-Pionierpanzer M 48 durch den deutschen Pionierpanzer LEOPARD ersetzt worden war, wurde die Kompanie 1974 als eine der ersten in der Bundeswehr mit dem leistungsstärkeren deutschen Brückenlegepanzer BIBER ausgestattet. Bisher konnten 18 m in 5 Minuten überbrückt werden; nun wurden 20 m in 3 Minuten überbrückt. Die entscheidende Verbesserung war aber die Verlegetechnik: Die US-Brücke wurde vor der Verlegung hochgestellt und bot ein 11 m hohes Ziel, bevor sie dann ausgeklappt wurde; das deutsche Gerät wurde nun vorgeschoben – war also nicht höher als der Brückenlegepanzer mit 3,50 m.

Im Februar 1969 begann mit einer ersten Verlegung auf die Insel Sylt ein fast in jedem Jahr bis 1982 wiederholter Einsatz, der zu einem „Markenzeichen“ der Panzerpionierkompanie 70 werden sollte: Auf der Insel wurden die Bunkerreste aus dem Zweiten Weltkrieg im Rahmen der Ausbildung der Panzerpioniere gesprengt und damit Gefahren für die Urlauber beseitigt.

1977 führte die Kompanie auf dem Truppenübungsplatz Bergen erstmals eine Stoßtruppausbildung durch. Bis 1982 wurden nun jedes Jahr einmal Offiziere und Unteroffiziere der Division auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg im Häuserkampf und Sprengen weitergebildet. Den Abschluss bildete immer die Lehrvorführung „Stoßtrupp“.

1978 begann die Ausrüstung der Panzerpionierkompanie 70 mit der damals neuen LKW-Generation; 1980 folgte dann die Umrüstung auf den schwimmfähigen 6-Rad-Transportpanzer FUCHS. Viele echte „Panzerpioniere“ wünschten sich eine Ausrüstung dieser Fahrzeuge mit einer leistungsfähigen Maschinenkanone (etwa 20 mm) zur wirksamen Selbstverteidigung bei Pioniereinsätzen „in vorderster Front“. Kurz danach wurden die ersten Fahrgestelle des Minenwerfers SCORPION angeliefert, die erst später mit der Minenwurfanlage ergänzt wurden. Durch diese neue Ausstattung wurde die Kompanie wesentlich leistungsfähiger bei der Unterstützung der Kampftruppe. Zugleich wurde sie aber auch verkleinert und umfasste nur noch zwei Panzerpionierzüge zu jeweils drei Panzerpioniergruppen und zwei Minenwerfertrupps. Die Stärke der Kompanie betrug jetzt nur noch etwa 130 Soldaten.

Ab 1982 wurden die Aufträge für Ausbildung, Führung und Einsatz der Panzerpionierkompanie 70 im Rahmen der Panzergrenadierbrigade 7 grundlegend neu gestaltet.
Ziel war es, die Pioniere ständig bei allen Ausbildungen und in der Einsatzplanung mit der Kampftruppe zusammenzuführen („Einen Einsatz oder eine Ausbildung von Kampftruppe ohne Panzerpioniere gibt es nicht !“) Besonders zu erwähnen sind dabei:

  • Entladen und Beladen von Eisenbahntransportzügen außerhalb von Ladestellen durch Anlegen einer Panzerschnellbrücke am Zugende
  • Anlegen und Räumen von Baumsperren mit Kampftruppenunterstützung,
  • Überlappendes Verlegen von bis zu drei Panzerschnellbrücken bei breiteren Gewässern (z.B. die Leine bei Hannover während Übung „FREE LION 1988“ des I.(NL) Korps),
  • Ausheben von Feuerstellungen und Munitionslagerplätzen für die Artillerie mit dem Pionierpanzer (seit 1989 DACHS anstelle des LEOPARD),
  • Anlegen von Sperren gegen Panzer in schnell beweglichem Einsatz mit Minenwerfern und -verlegern,
  • Überwinden von Gewässern durch Schwimmen mit dem Transportpanzer FUCHS,
  • Unterwasserfahren des Pionierpanzers mit Tauchschacht,
  • Längere, schnelle Märsche mit schwerem Gerät auf gesamter Brigadebreite zur raschen und sicheren Durchführung von Unterstellungs-wechseln,
  • Unterstützen von Lehrvorführungen „Schießen verbundener Waffen“,
  • Mitwirken bei der Erprobung des Minenräumpanzers KEILER im Oktober 1990

Darüber hinaus wurde die gesamte Planung eines Einsatzes an der ehemaligen innerdeutschen Grenze gemeinsam mit der Kampftruppe erarbeitet, dazu große Mengen von Pioniermunition nahe den vorbereiteten Sperrstellen eingelagert und verwaltet sowie umfangreiche Sperrunterlagen angelegt. So gut wie alle Übungs- und Ausbildungsvorhaben der Kampftruppe sowie insbesondere die Planungen in den Einsatzräumen wurden stets durch Truppenteile bzw. Führer der Panzerpionierkompanie begleitet.

Die Panzerpionierkompanie 70 war der am längsten in Stade stationierte Bundeswehrtruppenteil, 31 Jahre lang. In dieser Zeit hat sie mit ihrem stets modernen, leistungsfähigen Großgerät bei einer Vielzahl von Übungen auf Brigade- Divisions- und Korpsebene immer wieder ihre Leistungsfähigkeit bewiesen. Gleichzeitig wurde stets eine sehr hohe Einsatzbereitschaft des gesamten Gerätes gehalten. Besonders hervorzuheben ist, dass diese Leistungen nur durch das ausgezeichnet aus- und weitergebildete Personal der Kompanie und seinen stets spürbaren stolzen Korpsgeist erzielt werden konnten. Damit hat diese Kompanie ihren Anteil an der Sicherung des Friedens für unser Land in vollem Umfang erfüllt.

Darüber hinaus trugen die verschiedenen Einsätze zur Katastrophenhilfe zu dem Vertrauensverhältnis der Bevölkerung an der Unterelbe zu „ihren“ Pionieren bei. Die 1991 entschiedene Umgliederung des Heeres betraf zusammen mit fast allen Teilen der Garnison Stade auch die Panzerpionierkompanie 70. Beim letzten Elbe-Biwak der Stader Pioniere auf dem Wasserübungsplatz Steinkirchen wurde am 12. Juni 1992 die 24jährige Patenschaft mit der Gemeinde Heeslingen in feierlicher Form aufgelöst. Am 14. Oktober 1992 entband Kommandeur der 3. Panzerdivision die Kompanie im Rahmen des Auflöseappells des Standorts Stade von ihrem Auftrag. Die Organisationsabteilung des Führungsstabs des Heeres löste sie schließlich mit Befehl vom 01. März 1993 zum 30. September 1993 auf.

Kompaniechefs:
Hptm Gallmann, Hptm Rippe, Maj Peters, Hptm Hauffe, Hptm Schenk, Maj Luckner, Maj Stampfer, Maj Kahlke, Maj Rommel, Maj Miller

Kompaniefeldwebel:
HptFw Graap, HptFw Weitze, HptFw Walden, HptFw Rothenstein, StFw Sachs, StFw Postels




Pioniere der Unterelbe e.V.
Stand: 04.07.2017
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