Geschichte der Unterelbpioniere - Pioniere der Unterelbe e.V.

Pioniere der Unterelbe e.V.
Traditionsverein der ehemaligen Stader und Hamburg-Harburger Pioniereinheiten
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Geschichte der Unterelbpioniere

Geschichte & Tradition
„Eine Armee ohne Tradition ist nur ein nihilistischer Haufen!“
(General Goupil – ehemaliger Kommandeur der französischen Fremdenlegion)

Das Pionierbataillon 3 war der älteste Truppenteil der Bundeswehrgarnison Stade – und das in mehrfacher Hinsicht: Im Zeitraum 1962 bis 1968 wurde der Pionierverband der 3. Panzerdivision von Hamburg-Harburg kompanieweise nach Stade verlegt. Am 01. Mai 1968 verlegte der Bataillonsstab, so dass dieses Datum regelmäßig als Verlegezeitpunkt des Bataillons gilt.
Zu diesem Zeitpunkt waren schon seit 75 Jahren Pioniere an der Unterelbe stationiert gewesen – nämlich seit 1893 in Harburg. Die Geschichte dieser Pionierverbände, als deren letztes Glied sich das Pionierbataillon 3 verstand, beginnt jedoch bereits nochmals 27 Jahre früher – am 27. September 1866.

Zum Zeitpunkt seiner Verlegung nach Stade blickte das Bataillon also bereits auf über 100 Jahre Pioniergeschichte zurück.
Im Sommer 1866 war die Entscheidung über die Vorherrschaft in Mitteleuropa zugunsten Preußens gefallen. Die nördlich des Mains vorhandenen deutschen Streitkräfte wurden in der Folge nach preußischem Muster umgestaltet. Dabei wurde mit Errichtung des (Königlich Preußischen) IX. Armeekorps in Nord-Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg sowie den Hansestädten Bremen, Hamburg und Lübeck am 27. September 1866 im Standort Rendsburg das Schleswig-Holsteinsche Pionier-Bataillon Nr. 9 der Königlich Preußischen Armee aufgestellt. Der Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals (heute Nord-Ostsee-Kanal) nahm dem Bataillon seine Übungsmöglichkeiten. Deshalb wurde es zum 01. Oktober 1893 nach Harburg/Elbe in die Schwarzenberg-Kaserne verlegt.

Die Pioniere von der Unterelbe kämpften tapfer im Ersten Weltkrieg, dem ersten Kampf um den Bestand Deutschlands im vorigen Jahrhundert. Ihre herausragende Waffentat dabei war die Anlandung deutscher Verbände auf der Ostseeinsel Ösel im Oktober 1917.
2.560 Harburger Pioniere blieben auf den Schlachtfeldern Europas – eine der höchsten Verlustzahlen unter den deutschen Pionierverbänden dieses Krieges. Auch ihr Opfer trug dazu bei, dass das Deutsche Reich erhalten blieb – jedoch nach außen zunächst ohne Machtmittel. In Ausführung des Versailler Friedensdiktats der Siegermächte musste so am 30. Sept. 1920 auch das Reichswehr-Pionier-Bataillon Nr. 9 aufgelöst werden, das aus den nicht demobilisierten Resten des Schleswig-Holsteinschen Pionier-Bataillon Nr. 9 und seiner Kriegsformationen gebildet worden war. Die Tradition der Unterelbepioniere führte die Brückenkolonne, später die 3. Kompanie des 2. (Preußischen) Pionier-Bataillons in Stettin weiter.

Dieser Pionierverband der Reichswehr stellte ab 01. Oktober 1934 das sog. Pionierbataillon „S“ auf dem Übungsplatz Sperenberg (südlich Berlin) auf. Am 09. August 1935 verlegte es nach Harburg/Elbe in die neu erbaute General-Unverzagt-Kaserne und wurde am 15. August 1935 in Pionierbataillon 20 der Wehrmacht umbenannt. Weserpioniere aus Höxter und Minden stellten am 06. Oktober 1936 als zweiten Pionierverband in Harburg/Elbe das Pionierbataillon 50 auf, das am 19. Oktober 1936 die ebenfalls neu erbaute Scharnhorst-Kaserne bezog. Am 07. Mai 1938 wurde die Tradition des Schleswig-Holsteinschen Pionier-Bataillon Nr. 9 in einem feierlichen Appell dem Pionierbataillon 20 übertragen.

Die Siegermächte des Ersten Weltkriegs – vor allem Frankreich und England – versuchten durch ihre Politik in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Lösung der Probleme zu verhindern, die sie durch ihre Friedensdiktate geschaffen hatten. Unter anderem dies führte dazu, dass 1939 die Pioniere von der Unterelbe in einen weiteren Kampf um den Bestand Deutschlands zogen. Die europäische Katastrophe dieses Zweiten Weltkriegs ließ die Harburger Pioniere nicht – wie noch 1918 – an die Unterelbe zurückkehren. Bereits 1943 ging das Pionierbataillon 50 zusammen mit weiteren 35 deutschen Pionierverbänden in Stalingrad unter. Der Traditionsverband der Unterelbepioniere, das Pionierbataillon 20, kämpfte vom ersten bis in die letzten Tage des Krieges im Verband der Hamburger 20. Panzergrenadierdivision. Nach seinen letzten Einsätzen an den Seelower Höhen (ostwärts Berlin) und in Berlin-Moabit löste sich das Bataillon nach der Kapitulation von Berlin (02. Mai 1945) auf.

Die letzten Pioniere aus Harburg, Soldaten des Pionierersatzbataillon 20, verschwanden ab Ende März 1945 in den Kampfgruppen der Division Nr. 490 im mobilen Einsatz zwischen Weser und Ems im Dunkel der Geschichte.
Die Toten der Harburger Pioniere im Zweiten Weltkrieg sind nicht mehr zu zählen. Auch ihr Opfer konnte die Niederlage nicht verhindern. Der Kapitulation seiner Wehrmacht folgte die Zerschlagung des Deutschen Reichs. Die unterschiedlichen Zielvorstellungen der Sieger hinsichtlich Deutschlands führten sehr schnell zu einer Auseinandersetzung über die politische Erbfolge des Deutschen Reichs in Europa - den schließlich weltweiten „Kalten Krieg“. Zwei in ihrer Souveränität eingeschränkte und gegeneinander stehende deutsche Teilstaaten – die BRD und die DDR – entstanden dabei als Objekte der Siegermächte in West und Ost.

In diesem Rahmen wurde schon am 16. Januar 1954 – schneller als nach dem Ersten Weltkrieg - an der Unterelbe wieder ein deutscher Pioniertruppenteil aufgestellt. In die Scharnhorst-Kaserne in Hamburg-Harburg rückte an jenem Tag, aus Holzminden kommend, das Stammpersonal der Grenzschutzbauabteilung Nord ein. Sie wurde am 01. Juli 1956 als Pionierbataillon 1 in die neu aufgestellte Bundeswehr überführt. Der Verband gehörte damit nicht nur zu den ältesten Truppenteilen der Bundeswehr; er war sogar älter als sie selbst. 1958 wurde er als Panzerpionierbataillon 3 der 3.Panzerdivision unterstellt, die im gleichen Jahr von Hamburg nach Buxtehude verlegte. 1959 erfolgte dann die endgültige Umbenennung in Pionierbataillon 3. Bereits seit diesem Jahr ist auch eine Verlegungsplanung nach Stade belegbar – ausgelöst vermutlich durch die damalige Einstellung Hamburgs, zu dem Harburg seit 1937 gehört, zur Bundeswehr. Vordergründig waren es allerdings die Hafenerweiterungs- und Industrieansiedlungspläne Hamburgs, die – wie 75 Jahre zuvor in Rendsburg – dem Bataillon seine Übungsmöglichkeiten nahmen. (Foto des Pionierübungsplatzes (Wasser) in Hamburg-Moorburg).

Nach der Sturmflutkatastrophe 1962 dachte der Hamburger Senat um und versuchte, das Pionierbataillon 3 in Harburg zu halten. Ausreichende Übungsmöglichkeiten konnte oder wollte er für die Pioniere aber nicht schaffen. So blieb es bei der Verlegung des Verbands nach Stade.

In diesem 100jährigen Wandel der Organisation und der Garnisonen blieb zweierlei unverändert: der Auftrag und der Korpsgeist der Pioniere an der Unterelbe. Der Pionier war und blieb für seine Kameraden der Kampftruppen der Wegbereiter im Angriff und der Helfer in der Verteidigung.
Bewegung und Feuer sind die Elemente jedes Gefechts – jedoch: Natürliche Hindernisse und Sperren sind die Feinde der Bewegung. Im Angriff galt es daher – wie schon 1870/71, 1914/18 und 1939/45 – die Bewegungen eigener Truppen über Flüsse und Sümpfe, über Gräben und Trichter, durch Drahtsperren und Minenfelder, über Panzer und Beton hinweg sicherzustellen.
In der Verteidigung war es Aufgabe – wie immer seit 1870 – durch Bau von Sperren aller Art, in neuerer Zeit insbesondere von wirksamen Sperren gegen angreifende Panzer, die Bewegungen des Feindes aufzuhalten oder in bestimmte Richtungen zu lenken, um ihn durch das Feuer der Abwehrwaffen treffen zu können.

Unentbehrlich wurde gerade der Pionier an der Unterelbe auch im Katastropheneinsatz – vor allem bei Sturmfluten. 1937, 1954, 1962 und 1976 musste er hier in Hamburg und in den Landkreisen Lüchow-Dannenberg und Stade zum unmittelbaren Schutz der Bevölkerung sein Können beweisen. Nicht zuletzt deshalb ehrte der Niedersächsische Ministerpräsident das Pionierbataillon 3 anlässlich seines 25jährigen Bestehens als Bundeswehrtruppenteil durch die Verleihung eines Fahnenbands zu seiner Truppenfahne. Den 90. Jahrestags der Pioniere an der Unterelbe nahm der Präsident des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg dann zum Anlass, dem Pionierbataillon 3 ebenfalls ein Fahnenband zu seiner Truppenfahne zu verleihen.

Auftragserfüllung wurde jedoch überhaupt erst möglich durch den pioniereigentümlichen Korpsgeist – nämlich die Verbindung von technischem Können, handwerklichem Geschick und verantwortungsbewusstem Improvisieren mit dem Stolz auf die Truppengattung mit der schwarzen Waffenfarbe, die sich bisher immer als Wegbereiter und Helfer der anderen Truppengattungen des Heeres; aber in Stunden der Gefahr auch für die Bevölkerung bewährt hatte.

Diese weit zurückreichende Pioniertradition wurde in Stade durch den Bataillonsmarsch und die Ehrenfahne des Pionierbataillon 3 dokumentiert:
Das Schleswig-Holsteinsche Pionierbataillon Nr. 9 hatte sich als Parademarsch den Marsch von Problus und Prim” am 3.7.1866“ *) gewählt. Diesen Marsch übernahm auch das Pionierbataillon 20 der Wehrmacht als Parademarsch. Das Pionierbataillon 3 setzte diese Tradition fort und wählte 1983 diesen Marsch als Bataillonsmarsch.

Am 03. Juli 1867, dem Jahrestag der den Krieg von 1866 entscheidenden Schlacht von Königgrätz, erhielt das Schleswig-Holsteinsche Pionier-Bataillon Nr. 9 seine Fahne, deren Tuch am 28. August 1904 erneuert wurde. Diese Fahne führte das Pionierbataillon 20 zusätzlich zu seiner Standarte als es am 07. Mai 1938 die Tradition des alten Verbandes übernahm. Heute wird dieses Feldzeichen im Deutschen Historischen Museum in Berlin aufbewahrt. Eine Nachbildung der ehrwürdigen Pionierfahne durfte das Pionierbataillon 3 seit 1981 als Ehrenfahne neben seiner Truppenfahne führen. Damit bekannten sich die Stader Pioniere zu ihrer soldatischen Überlieferung.

Zusammen mit den Gedenktafeln für die in den beiden Weltkriegen gefallenen Pioniere der Unterelbe, die mitten im Unterkunftsbereich des Pionierbataillon 3 in der von Goeben-Kaserne in Stade aufgestellt waren, dokumentierten Bataillonsmarsch und Ehrenfahne: Die Unterelbepioniere der Bundeswehr stehen in einer ungebrochenen Kette deutscher Soldaten; sie tun ihre Pflicht im Frieden wie ihre Väter und Vorväter – und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sie dies in Not, Gefahr oder Krieg anders tun würden als ihre Väter und Vorväter.

*) Bei Problus und Prim hatte am 03. Juli 1866 in der Schlacht von Königgrätz, in der die Entscheidung über die Vorherrschaft in  
    Mitteleuropa  zugunsten Preußens fiel, die preußische Elb-Armee den linken Flügel der österreichisch-sächsischen Armee geschlagen.

Pioniere der Unterelbe e.V.
Stand: 04.07.2017
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